
Nach dem Kohlekraftwerk...
Im März 2009 verkündete der schwedische Energieversorger Vattenfall aufgrund massiver Proteste auf den Bau eines riesigen Kohlekraftwerkes im Herzen Berlin zu verzichten.Als Bürgerinitiative "Nein zum Kohlekraftwerk" hatten wir an der Entwicklung einen massgeblichen Anteil. "Man habe tief in die Stadt hineingehört", sagte der Generalbevollmächtige des Konzernes, Werner Süss. Wie wir bereits bei unserer Gründung im März 2007 verkündeten, ist uns ein "Nein" zur Kohle uns zuwenig. Darum engagieren wir uns weiterhin für eine moderne und zukunftsweisende Energieversorgung in Berlin.
Vattenfall konkretisiert sein Konzept für die Hauptstadt
Vor Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Berliner Bürgern erläuterte der Versorger Vattenfall Anfang des Sommers 2009 sein weiteres Vorgehen im Hinblick auf die Erneuerung der Energieversorgung der Hauptstadt. Vattenfall-Vorstand Klaus Pitschke erklärte kurz sein Konzept, wonach er den Neubau eines Kohlekraftwerkes in Berlin wiederholt ausgeschlossen hat. Die zukünftige Versorgung soll mittels Gas und Biomasse geschehen. Am weitesten vorrangeschritten ist dabei die Erneuerung des alten Heizkraftwerkes (HKW) Lichterfelde im Südwesten der Stadt, dass man zu einem modernen Gas-und Dampf-Kraftwerk (GuD) umbauen will. Erste Antragsunterlagen werden noch in diesem Sommer eingereicht.
Für den Ostteil Berlins wird Vattenfall in erster Linie Gas und später Biomasse einsetzen, um weiterhin eine zuverlässige Wärmeversorgung sicherzustellen. Dabei ist es letztlich im Unternehmen noch nicht abschließend geklärt, ob man als Ersatz des alten HKW Klingenberg an der Rummelsburger Bucht in Berlin-Lichtenberg ein kleines und in Marzahn ein zweites kleine GuD - oder eine große Anlage errichten möchte. Eine große Anlage würde dann in Berlin-Marzahn stehen. Falls man sich für zwei kleine Gaskraftwerke entscheidet, würden diese jeweils in Marzahn und an der Rummelsburger Bucht stehen. Klar ist bislang nur, dass am Standort des HKW Klingenberg zwei Biomasseanlagen mit insgesamt ca. 150 MW Leistung entstehen sollen. Konkrete Einzelheiten und technische Details werden zurzeit von Vattenfall erarbeitet. Pitschke erklärte, dass man die Ergebnisse noch in diesem Herbst vorstellen will.
Einen konkreten Baubeginn konnte Pitschke noch nicht sagen aber bis 2016 sollen die neuen GuD-Kraftwerke endgültig stehen, um Fördermittel des Staates nicht verstreichen zu lassen. Erst danach werde man sich an die Errichtung der Biomassewerke machen. Das alte HKW Klingenberg wird ca. nach zwei Heizperioden nach Inbetriebnahme der neuen Kraftwerke komplett abgeschaltet. Vorher müsse man um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, das alte Kraftwerk noch in Stand-By Laufen lassen. Der Rückbau dauere dann nochmal drei bis vier Jahre versicherte Pitschke.
Trotz positiven Ansatzes des schwedischen Energieunternehmens kamen kritische Fragen aus der Runde. So wollte beispielsweise Andreas Jarfe vom Bund für Natur und Umwelt (BUND)wissen, was es denn für Biomasse sei, die Vattenfall verwerten möchte. Pitschke erwiderte, man wird Resthölzer, Baumschnitt und Zellulose aus der Papierherstellung nutzen. „Unsere Biomasse wird Nachhaltigkeitskriterien entsprechen“, versicherte der Vattenfall-Vorstand: „Für unsere neuen Berliner Kraftwerke wird kein Holz aus dem Regenwald genutzt“. Eine Nutzung von sogenannten Ersatzbrennstoffen (EBS) wird Vattenfall auch nicht einsetzen. Jarfe vom BUND zeigte sich erleichtert, denn bei handelt es schlichtweg um Müll, der aufgrund seine Anteile an biogene Stoffen staatlich subventioniert wird. Auf die Frage Jarfes warum man denn zwei Biomasseanlagen statt einer großen baut, erklärte Vattenfall, die habe mit Förderungen aus dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz zu tun, die kleine Anlagen finanziell bevorzugen
Helke Scharfenberg von der lokalen Bürgerinitiative (BI) und Sibylle Appelhagen von der Lichtenberger CDU interessierte die Frage zu einem einen möglichen Kühlturm. Scharfenberg von der BI erinnerte Vattenfall daran, dass das HKW an Jannowitzbrücke auch ohne Kühlturm auskommt. Klaus Pitschke wollte diese Frage nicht abschließend beantworten, da der Meinungsbildungsprozess dazu im Konzern noch nicht abgeschlossen sein. Wenn aber ein Kühlturm für das GuD-Kraftwerk kommen sollte, wird er wohl im Bereich von 60 Meter liegen. Das Dilemma sei, je höher der Kühlturm, umso besser der Wirkungsgrad eines Kraftwerkes. „Aber nicht jeder findet einen Kühlturm in der Nachbarschaft ästhetisch geschmackvoll“, so der Vattenfall-Vorstand.
Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz, wies nachdrücklich auf die Einsparpotentiale, die im Großraum Berlin zur Verfügung stehen und auf die in der Stadt anfallende Biomasse von ca. 1 Mio Tonne/Jahr, hin. „Wenn in Zukunft über Energie gesprochen wird, muss vor allem von Effizienz geredet werden“, unterstrich die Senatorin. Pitschke pflichtete bei ergänzte, dass „der Wärmebedarf in Berlin sinken wird.“ Lompscher lobte die Entwicklung, die Vattenfall in Berlin einschlägt und die Bereitschaft des Konzerns, in den Diskurs einzusteigen. „Vattenfall will mit dem Senat Berlin eine Klimavereinbarung eingehen, damit gemeinsam zukünftig CO2 eingespart wird.“
